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Thomas Ring
Thomas Ring wurde am 28. November 1892 in Nürnberg geboren. 1914 wurde er Soldat, war an verschiedenen Brennpunkten des Ersten Weltkrieges, wurde verwundet und geriet 1917 in britische Kriegsgefangenschaft. Schon vor dem Ersten Weltkrieg studierte er an der Berliner Kunstakademie und veröffentlichte im "Sturm" seine ersten Gedichte. In der Astrologie fand er ein neues Menschen- und Weltverständnis. Es war sein Anliegen, die überlieferte Astrologie zu einer den Menschen in seiner Ganzheit umfassenden Wissenschaft zu gestalten, die er "Revidierte Astrologie" nannte. Er gilt in Fachkreisen als der grösste deutschsprachige Astrologe des 20. Jahrhunderts.

Mit seinen abstrakten Federzeichnungen war er als einer der ersten Maler der "Moderne" an verschiedenen Ausstellungen der Zwanzigerjahre vertreten. Als "entarteter Künstler" und Mitglied der Kommunistischen Partei emigrierte er 1932 mit seiner Familie nach Oesterreich. 1943 wurde er nach Strassburg berufen, wo er Ende 1944 aufgegriffen und in einem französischen Lager in Saint-Sulpice interniert, wo seine Frau 1945 starb. 1946 wieder nach Oesterreich zurückgekehrt, setzte er mit unverminderter Schaffenskraft seine Arbeit als Maler, Schriftsteller, Lebensberater und Astrologe fort. Er starb 1983 in Schärding am Inn, Oesterreich.




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(Thomas Ring, Grafik 1983. Aus: Thomas Ring, Gedichte, Werner Classen Verlag Zürich, 1985)


Metamorphose


Tausendfach im Leben erblicken wir Charon, den Fergen der Toten,
still zieht die Barke des Abschieds vom Licht ihre Bahn
zur Stunde, da der Sehnsucht Abgrund dich verschlungen

Was macht's, wie vieles vertan und ungestalt -
Gewinn und Verlust sind eins im unendlichen Kreis.

Nur die Läuterung bleibt, Frucht deiner Selbstbegegnung,
Antwort auf trügerische Sicherheit
und Sinn, den zu finden wir auf Erden weilen.

Solange wir aber geben und empfangen, sind wir, wirken,
mehren die Gastlichkeit, machen die Wüste urbar, entsumpfen das Land!

Weisst du den Steuermann, so kannst du ruhig schlafen
und wieder erwachen vom Traum.


(Thomas Ring, Gedichte, Werner Classen Verlag Zürich, 1985)



(Handschrift von Thomas Ring. Aus: Thomas Ring, Gedichte, Werner Classen Verlag Zürich, 1985)