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Dem Gral auf der Spur?
Maria Magdalena in Rennes-le-Château
Rennes-le-Château mit seinen rund hundert Seelen wäre ein verschlafenes, mittelalterliches Dörfchen, wenn nicht diese mysteriöse Geschichte mit Gral es zur geheimnisumwitterten Attrakion machen würde... Wo überhaupt liegt Rennes-le-Château? Im Département Aude in der Region Languedoc-Roussillon, ca. 40 Kilometer südlich von Carcassonne - im Herzen des Landes der Katharer, dieser vom Papst einst als Ketzer verfolgten Glaubensgemeinschaft. Die romanische Dorfkirche Sainte Marie-Madeleine wurde 1059 eingeweiht und im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts vom damaligen Pfarrer des Ortes, Bérenger Saunière, renoviert.

Dieser Bérenger Saunière habe, so wird gesagt, bei der Renovierung des Altars ein verstecktes altes Pergament mit einer seltsamen christlichen Botschaft gefunden.

Der Abbé, der sich zuvor nur mit einem kleinen Gehalt begnügen musste, habe plötzlich über eine grosse Geldsumme verfügt, undurchsichtige Bankgeschäfte in Millionenhöhe getätigt und luxuriöse Bauvorhaben realisiert. Was war da geschehen?

Die Antwort lässt Eingeweihten keinen Zweifel offen: Der Abbé hat im Dorf den Heiligen Gral gefunden, zusammen mit den unermesslichen Schätzen der Tempelritter. Die Spekulationen häuften sich, Autoren wie Umberto Eco und Dan Brown steuerten das Ihrige bei und so ist dem einst so ruhigen Ort heute ein nicht abbrechender Besucherstrom beschieden.

 





Kirche in Rennes-le-ChâteauDie Kirche
der Heiligen Maria Magdalena

in Rennes-le-Château


Tafelbild mit Maria Magdalena in Rennes-le-Château Die Tafelbilder in der Kirche in Rennes-le-Château geben zu vielen Spekulationen Anlass. Zum Beispiel dieses Tafelbild Nr. VIII: Stellt es Jesus und Maria Magdalena dar - mit ihrem gemeinsamen Kind...? Im Philippusevangelium aus dem 3. Jahrhundert wird Maria Magdalena als Gefährtin von Jesus genannt, eine Gefährtin, die er mehr liebte als seine Jünger. Ein Kind könnte dieser Beziehung durchaus entsprungen sein: ein Gedanke, der sich zu der Hypothese kristallisiert hat, dass von den Nachkommen Jesu das Geschlecht der Merowinger stamme. Maria Magdalena als Urmutter des ältesten bekannten Königsgeschlechts der Franken?

Doch warum gerade in Südfrankreich? Darüber weiss die Legende aus Saintes-Maries-de-la-Mer in der Camarque mehr zu berichten: Im Jahre 45 wurden die beiden Schwestern der Mutter von Jesu, Maria Kleophas und Maria Salome, zusammen mit Maria Magdalena, Martha und Lazarus von Juden auf einem Schiff ausgesetzt. An der Stelle des heutigen Fischerdorfes und Wallfahrtsortes Les-Saintes-Maries-de-la-Mer gingen sie an Land. Von hier aus missionierten sie die Provence.

Und was hat es mit dem Gral auf sich? Das Wort kommt vermutlich aus dem Okzitanischen oder Altfranzösischen "graza" bzw. "graal" und bezeichnet ein Gefäss. In der christlichen Mystik wird der Gral als jener Kelch verstanden, den Jesus beim letzten Abendmahl mit seinen Jüngern benutzte und in dem Josef von Arimathäa das Blut Christi unter dessen Kreuz aufgefangen haben soll. Von den vielen Gralslegenden hier nur eine, die sich auf Maria Magdalena bezieht: Da sie von Jesus schwanger nach Südfrankreich gelangt sei, habe sie in ihrem Leib das Blut Jesu nach Südfrankreich gebracht. Der eigentliche Gral wären dann die Nachkommen, als Träger des Blutes Jesu .


Tafelbild in Rennes-le-Château

Rennes-le-Château

Rennes-le-Château, Tafelbild