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Zar Peter III.

Katharina II., die Grosse
Karl Peter Ulrich von Schleswig-Holstein-Gottorf, geboren am 21. Februar 1728 in Kiel, war Sohn des Herzogs Karl Friedrich von Schleswig-Holstein-Gottorf und dessen Ehefrau Anna Petrowna, einer Tochter des Zaren Peter I. , des Grossen. Die Mutter starb bereits im Alter von 20 Jahren drei Monate nach seiner Geburt an Schwindsucht. 1739 starb der Vater. Der Elfjährige wurde sein Nachfolger als Herzog von Holstein-Gottorf. Die Erziehung des Vormundes Oberhofmarschall Brümmer, sei übermässig streng gewesen. Seine Tante, die russische Kaiserin Elisabeth ernannte ihren Neffen am 18. November 1742 zum Thronfolger. Unter dem Namen Peter Fjodorowitsch trat er zum Russisch-Orthodoxen Glauben über und wurde Grossfürst.

1745 wurde Peter mit Prinzessin Sophie Auguste von Anhalt-Zerbst-Dornburg verheiratet. Die deutsche Prinzessin konvertierte ebenfalls zum Russisch-Orthodoxen Glauben und nahm den Namen Katharina an. Sie wurde später Zarin Katharina II., die Grosse. Aus dieser Ehe gingen der Sohn Paul, der spätere Zar, und die Tochter Anna hervor, wobei Peters Vaterschaft stark umstritten ist.

Die Prinzessin, die als Vierzehnjährige in Moskau eintraf, lernte zielstrebig und ehrgeizig die russische Sprache und setzte alles daran, sich am Zarenhof zu integrieren. Großfürstin Katharina wird beschrieben als lebensfrohe und intelligente Frau, die sich sehr für historische und politikhistorische Werke und sehr auch für die Ideen der Aufklärung interessierte.

Die Ehe zwischen Peter und Katharina verlief unglücklich. Peter galt als sehr unreif. Am liebsten habe er mit kleinen Soldatenfiguren gespielt und war Friedrich dem Grossen sehr zugetan, was am russischen Hof nicht gern gesehen wurde. Er habe viel getrunken und seine Gattin beschimpft und herumkommandiert - dies besonders nach seiner Thronbesteigung am 25. Dezember 1761, nachdem Zarin Elisabeth gestorben war. Sein Verhalten habe auch grosse Teile des Hofes und des russischen Volkes brüskiert. Gegen Ende seiner Regierung jedoch waren ihm der Hofadel, der Generalstab sowie die gesamte Regierung treu ergeben. Die Bauern betrachteten ihn wegen der versprochenen Abschaffung des Leibeigentums als Befreier.

Im Sommer 1762, nachdem Peter geplant hatte, Katharina nach Deutschland auszuweisen, breitete diese ihrerseits den Sturz ihres Gatten vor. Peter wurde von bestochenen Gardeoffizieren festgenommen und zur Unterzeichnung des Thronverzichtes gezwungen:

„… in der kurzen Zeit meiner absoluten Regierung über das russische Reich habe ich erkannt, dass meine Kräfte einer solchen Last nicht gewachsen sind … Ich erkläre ohne Zwang und feierlich vor dem russischen Reich und der ganzen Welt, dass ich der Regierung auf Lebzeiten entsage … Peter, Herzog von Holstein“

Peter wurde gefangen genommen und starb kurz darauf unter ungeklärten Umständen. In einigen Quellen wird Alexei Grigorjewitsch Orlow, der Bruder von Katharinas Liebhaber, des Mordes an Peter III. beschuldigt.





Ehepaar Zar Peter III. und Zarin Katharina II., die Grosse, in ihren Handschriften
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Handschrift Zar Peter III
Handschrift von Zar Peter III
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Handschrift Zarin Katharina II., die Grosse
.Handschrift von Zarin Katharina II., der Grossen
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Ein Vergleich der Handschriften von Peter und Katharina zeigt bereits auf den ersten Blick zwei sehr unterschiedliche Naturelle. Selbst wenn man die Urheberschaft der beiden Handschriften nicht wüsste, würde man sie aufgrund der biographischen Beschreibungen richtig zuordnen können. Die Handschrift von Peter wirkt weniger dynamisch, weniger zielstrebig und introvertierter als jene von Katharina. Die Formen sind sind weitgehend in sich geschlossen, das Schriftbild wirkt dicht, der Schriftraum gefüllt, ein Hinweis auf ein wohl eher subjektives Weltbild, das Neuem gegenüber weniger aufgeschlossen ist und dieses auch nicht zu suchen scheint. Auch Weitblick und Distanziertheit scheinen eher etwas gering zu sein, was anderseits sich als Stärke erweisen kann, sich mit Sorgfalt und Geduld Bestehendem widmen zu können. Keine Eroberernatur zeigt sich in Peters Handschrift, sondern eher ein Verteidiger, dem persönlicher Stolz und Ehre wichtige Werte sind, für die er einsteht. Die Interessen liegen mehr im Naheliegenden, in persönlichen, praktischen Dingen, wie auch die Begabungen mehr im Anschaulichen liegen.

Ein weitgehend gut gespannter, zügiger und beweglicher Strich zeigt sich in Katharinas Handschrift, ein Hinweis auf eine starke Belastbarkeit und kreativer Umgang mit schwierigen Situationen. Die Schrift ist gut lesbar und sinnvoll vereinfacht: die Gabe, komplizierte Sachverhalte rasch zu durchschauen und Wichtiges von Unwichtigem gut unterscheiden zu können. Ein wacher Blick für das Wesentliche und zügiges, ökonomisch sinnvolles Vorgehen, ohne eigene Handlungen zu überstürzen. Auffallend sind die druckstarken, aus vorangehender Linksläufigkeit sich nach rechts entladenden Querstriche, wie etwa in den Worten "cette" und "et". Zeigt sich hier eine Angriffigkeit, die unverhofft aus dem Hintergrund heraus eigene Ansprüche deutlich macht? Oder vielleicht auch nur eine Demonstration eigener Macht?

Das Schriftbild bei Katharina ist weniger dicht, die Zeilenführung straffer, als bei Peter. Sie ist ihrem Gatten an Zielstrebigkeit, Organisationsgabe und Weitblick überlegen. Auch ist die Extraversion bei ihr ausgeprägter, also auch eine nach aussen gewandte Aktivität und Unternehmnungsfreude. Die Betonung des sogenannten Mittelbandes (Kleinbuchstaben im Wortinnern) von Peters Handschrift und die ausgeprägten Deckzüge (Aufstrich und Abstrich überdecken sich), könnten auf ein erhöhtes Akzeptationsbedürfnis hinweisen, das Bedürfnis, Anerkennung und Wertschätzung für die eigene Person zu finden, unabhängig von der Erbringung von Leistung.

Die beiden Schriftbilder weisen auf eine komplementäre Beziehung ihrer Ehe hin, also eine Beziehung, in der Aktivität und Passivität nicht unter beiden Ehepartnern gleich verteilt sind, sondern dass hier Katharina eindeutig den aktiveren, Peter den passiveren Part innehatten. Im Laufe der Zeit kann sich ein solches komplementäres Verhältnis sich so sehr verstärken, dass die beiden sich immer mehr entfremden und die Aktivität zur unduldsamen Aggressivität, die Passivität sich zum eigenwilligen, trotzigen Widerstand wandelt.