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Apostel Obernai

Petrus von Paul Windeck

Gethsemane Obernai




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Paul Windeck:
Jesus am Ölberg in Obernai.

Paul Windeck Ölberg Obernai

Obernai ist eine kleine Stadt im französischen Elsass. Ende des siebten Jahrhunderts herrschte hier der merowingische Herzog Eticho, ein gar grausamer Despot, dem zu Gedenken niemandem Ehre macht. Seine Tochter Odilia, die kränkenderweise ein Mädchen war und darüber hinaus erst noch blind, musste vor seinem mörderischen Zorn in einem burgundischen Kloster in Sicherheit gebracht werden. Wie es tatsächlich mit ihrer Blindheit bestellt war, ist heute schwer zu sagen, denn als sie im Alter von 12 Jahren getauft wurde, begann sie zu sehen. Später wurde sie Äbtissin und gründete ein Krankenhospiz am Fusse des nach ihr benannten Odilienberges. Sie starb im Jahre 720 und wird heute als Schutzpatronin des Elsass und des Augenlichts verehrt.

Doch ich wollte eigentlich nicht von der heiligen berichten, sondern vom Obernaier Ölberg. Man findet ihn angebaut an die Friedhofskapelle aus dem Jahr 1696: Eine lebensgrosse Figurengruppe mit betendem Jesus und den schlafenden Jüngern Petrus, Jakobus und Johannes im Garten Gethsemane. Die Figuren wurden 1517 von dem Bildhauer Paul Windeck aus Sélestat hergestellt. Die mehrmals restaurierten Wandmalereien im Hintergrund stammen aus dem Jahr 1586.

Annette von Droste-Hülshoff beschreibt die Szene am Ölberg in ihrem Gedicht "Gethsemane":

Als Christus lag im Hain Gethsemane
auf seinem Antlitz mit geschlossnen Augen, -
die Lüfte schienen Seufzer nur zu saugen,
und eine Quelle murmelte ihr Weh,
des Mondes blasse Scheibe widerscheinend, -
das war die Stunde, wo ein Engel weinend
von Gottes Throne ward herabgesandt,
den bittern Leidenskelch in seiner Hand.

Und vor dem Heiland stieg das Kreuz empor;
daran sah seinen eignen Leib er hangen,
zerrissen, ausgespannt; wie Stricke drangen
die Sehnen an den Gliedern ihm hervor.
Die Nägel sah er ragen und die Krone
auf seinem Haupte, wo an jedem Dorn
ein Blutestropfen hing, und wie im Zorn
murrte der Donner mit verhaltnem Tone.
Ein Tröpfeln hört' er; und am Stamme leis
herniederglitt ein Flimmern qualverloren.
Da seufzte Christus, und aus allen Poren
drang ihm der Schweiß.

Und dunkel ward die Nacht, im grauen Meer
schwamm eine tote Sonne, kaum zu schauen
war noch des qualbewegten Hauptes Grauen,
im Todeskampfe schwankend hin und her.
Am Kreuzesfuße lagen drei Gestalten;
er sah sie grau wie Nebelwolken liegen,
er hörte ihres schweren Odems Fliegen,
vor Zittern rauschten ihrer Kleider Falten.
O welch ein Lieben war wie seines heiß?
Er kannte sie, er hat sie wohl erkannt;
das Menschenblut in seinen Adern stand,
und stärker quoll der Schweiß.

Die Sonnenleiche schwand, nur schwarzer Rauch,
in ihm versunken Kreuz und Seufzerhauch;
ein Schweigen, grauser als des Donners Toben,
schwamm durch des Äthers sternenleere Gassen;
kein Lebenshauch auf weiter Erde mehr,
ringsum ein Krater, ausgebrannt und leer,
und eine hohle Stimme rief von oben:
»Mein Gott, mein Gott, wie hast du mich verlassen!«
Da weinte Christus mit gebrochnem Munde:
»Herr, ist es möglich, so laß diese Stunde
an mir vorübergehn!«

Ein Blitz durchfuhr die Nacht; im Lichte schwamm
das Kreuz, o strahlend mit den Marterzeichen,
und Millionen Hände sah er reichen,
sich angstvoll klammernd um den blut'gen Stamm,
o Händ' und Händchen aus den fernsten Zonen!
Und um die Krone schwebten Millionen
noch ungeborner Seelen, Funken gleichend;
ein leiser Nebelhauch, dem Grund entschleichend,
stieg aus den Gräbern der Verstorbnen Flehn.
Da hob sich Christus in der Liebe Fülle,
und: »Vater, Vater,« rief er, »nicht mein Wille,
der deine mag geschehn!«