meier-classen.ch
zurück


Im Madrider Prado ist ein Gemälde aufgetaucht, dass in Leonardos Werkstatt entstanden sein soll

Spiegel-Online, 2. Feb. 2012:
Hamburg/Madrid - Im Prado-Museum von Madrid ist eine "Zwillingsschwester" der berühmten Mona Lisa entdeckt worden. Nach Einschätzungen der Museumsleitung handelt es sich um eine Kopie des Bildes, die zur gleichen Zeit wie das Original in der Werkstatt von Leonardo da Vinci gemalt wurde - also zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Gemalt haben sollen es entweder Andrea Salai oder Francesco Melzi, beide Schüler Leonardo da Vincis. Die Kopie hat fast dieselben Maße wie das Original der Mona Lisa.

Das Bild habe seit Jahren in dem Museum in der spanischen Hauptstadt gehangen, sein Wert sei aber bislang nicht erkannt worden. Erst jetzt sei bei Restaurierungsarbeiten festgestellt worden, dass das Werk parallel zum Original entstanden sei. Bei den Arbeiten am Bild habe man herausgefunden, dass der schwarze Hintergrund der Kopie erst nachträglich aufgetragen worden sei. Darunter entdeckten die Prado-Experten die Darstellung einer italienischen Landschaft, wie sie auch auf dem Original zu sehen sei.

Mit Hilfe von Infrarotstrahlen sei festgestellt worden, dass der Maler bei seiner Arbeit an dem Bild dieselben Korrekturen vorgenommen habe wie Leonardo da Vinci am Original. Dies zeige, dass beide Werke simultan entstanden seien, der Meister und seine Schüler also zur selben Zeit dieselbe Dame porträtiert haben müssen. Sowohl das Prado-Museum als auch der Louvre, in dem sich das Original befindet, haben den Ursprung der Kopie bestätigt. Das Bild soll am 21. Februar offiziell vorgestellt werden.

Das Kunstwerk könnte für weitere Forschungsarbeiten zentrale Bedeutung haben. "Diese sensationelle Entdeckung wird unser Verständnis des berühmtesten Gemäldes der Welt verändern", schrieb die britische Zeitschrift "Art Newspaper", die zuvor über den Fund berichtet hatte.

Miguel Falomir, Kurator für italienische Malerei im Prado, wies darauf hin, dass Leonardo da Vinci selbst nicht an dem Gemälde beteiligt gewesen sei. Warum das Gemälde im 18. Jahrhundert mit schwarzer Farbe übermalt wurde, sei unklar, sagte der stellvertretende Museumsdirektor Gabriele Finaldi. Er fügte hinzu: "Unsere Kollegen im Louvre haben nun jede Menge mehr Informationen zur Erforschung ihres Gemäldes".

Ab dem 26. März soll die Mona Lisa aus dem Prado an der Seite des Originals im Louvre zu sehen sein.





...doch weiter bleibt die Frage, ob das tägliche Gedränge im Louvre nun wirklich dem echten oder vielleicht nur einem gefälschten Lächeln gilt?


1911 wurde sie von dem Italiener Vincenzo Peruggia aus dem Louvre geraubt. Zwei Jahre später tauchte sie arg beschädigt in Florenz wieder auf. War dies tatsächlich das Original, oder hatte damals der Restaurator Castellini, wie später behauptet wurde, die Mona Lisa mit einer Fälschung vertauscht?

Der in der Gegenwart handelnde Roman mit Schauplätzen in Zürich und Florenz gibt dieser Frage wieder eine brennende Akutalität. Er bringt den Kunst- und Kulturgüterschutz des französischen Sicherheitsdienstes ebenso in Bewegung wie die Kripo inZürich. Und er verwickelt eine Handvoll Menschen in unerwartete Beziehung zueinander - in einer kriminalistisch wie psychologisch spannenden Geschichte um Wahrheit, Leidenschaft und Liebe.

Offen bleibt am Ende die beunruhigende Frage, ob das tägliche Gedränge im Louvre nun wirklich dem echten oder vielleicht nur einem falschen Lächeln gilt...?


Buchbestellung

Lesen Sie hier die ersten drei Seiten einer geheimnisvollen Story...
Die Wahrheit, ja die Wahrheit: sie kommt daher, wie es ihr gerade passt: als Lüge, als Tatsache, als Fata Morgana, und in seltenen Fällen sogar als das, was sie ist. Und eben gerade jetzt kommt sie als Märchen daher: Es war einmal vor vielen hundert Jahren ein armes toskanisches Bauernmädchen. Doch was sollen Märchen in der knallharten Geheimagentenwelt von Charles Rossi, von dem gleich die Rede sein wird, und der zur Zeit mit einem gefälschten Bankcheck der französischen Staatsbank , lautend auf 100'000 Euro und einer Beretta 92 im Handschuhfach seines schwarzen Citroens von Paris nach Florenz fährt? Das Bauernmädchen hieß Caterina und liebte einen reichen und weit herum angesehenen Mann aus einem der prunkvollen Palazzi in der an Kunst und Handel blühenden Stadt Florenz. Das Märchen drängt sich mächtig vor, die zerbrechliche Realität muss warten. Charles Rossi und seine Beretta treten erst später in Aktion, denn noch hat sich das Märchen nicht zur unbarmherzigen Wirklichkeit gewandelt, steht mit seiner Handlung erst am Beginn der Renaissance, der beginnenden Kopulation klassischer Ideale mit der Pracht und dem Prunk irdischer Macht. Caterina und der Nobile aus der Stadt liebten sich in einer sternklaren Julinacht unter der soeben über den schwarzen Horizont sich zeigenden, zunehmenden Mondsichel. Der Mond wurde voll, der Herbst liess nicht auf sich warten, der Winter kam ins Land, und als Caterina im folgenden Frühling einem Knaben das Leben schenkte, bereitete ihr Geliebter bereits sein Hochzeitsfest mit einer anderen Schönen vor. Der Knabe aber war mit allen Zeichen des Wunderkindes gesegnet, was den Nobile veranlasste, seinen kleinen Bastard seinerseits mit allen Privilegien auszustatten und in seine Familie aufzunehmen. Zweifellos hätte der Junge ein angesehener Notar werden sollen, wie bereits sein Vater, sein Großvater und die Väter von zwei weiteren Generationen zuvor. Doch wie in den Märchen der Müller Söhne sich Schlösser statt Mühlen wünschen, ging auch dieses Wunderkind eigene Wege. Man gewährte sie ihm und schickte ihn zum berühmtesten Künstler der Stadt in die Lehre. Und als er zwanzig Lenze zählte, trug man seinen Namen, Leonardo da Vinci, ehrenvoll in die Liste der städtischen Maler-Gilde ein. Das Malen war nur eine seiner vielen Begabungen. Er war, schlicht ausgedrückt, ein Universalgenie, zugleich Bildhauer und Musiker, Architekt und Geograph, Physiker, Erfinder und Ingenieur. Letzteres noch ganz im ursprünglichen Sinn des Wortes ‚ingenium': ein Schöpfer von Kriegsmaschinen, was nicht nur von Genialität, sondern auch von einer Prise Wahnsinn zeugt. Er hat Städte geplant und Flugmaschinen entworfen, er wollte den Arno umleiten und in Latium die pontinischen Sümpfe trocken legen. Und nie konnte er es lassen, immer wieder Toten unter die Haut zu schauen, was weder dem Papst gefiel, noch den Geistlichen im Hospital Santo Spirito. Sie bezichtigten ihn der schwarzen Magie und schickten ihn zum Teufel.

Genug dieser spektakulären Seite seines Lebens, das auch ganz gewöhnliche, ganz alltägliche und sogar verdriessliche Seiten hatte. Das Brot fiel nicht vom Himmel, und Lohnarbeit war nicht zu umgehen. Solche anzunehmen war ihm, und darin unterschied er sich nicht im Geringsten von gewöhnlichen Menschen, ein kränkender Gräuel. Selbst noch mit fünfzig, im Zenith seines Lebens, kam er nicht darum herum und gab widersträubend seine Zusage, als ein Kaufmann ihn bat, ein Portrait seiner bildschönen Frau zu malen. Der Mann hieß Francesco di Bartolomeo di Zanobi del Giocondo. Seine Frau - es war innerhalb von fünf Jahren bereits die dritte - nannte man etwas kürzer Lisa del Giocondo und heute, wenn man ihr Portrait meint, ganz einfach La Gioconda oder - so abgegriffen und kitschig, dass einem anständigen Menschen beim Aussprechen die Schamröte ins Gesicht steigen muss: Mona Lisa.

Leonardo liess sich unendlich viel Zeit. Jahre vergingen. Der Auftraggeber, trotz wohlklingendem Namen und prallem Geldbeutel, wartete nicht nur lange - er wartete vergeblich und hat das Portrait seiner Frau nie erhalten. Dem Gemälde war offensichtlich eine andere Zukunft beschieden, als bloß im Studiolo oder in der Camera seiner Kaufmannsvilla von der Wand herabzulächeln.

Ja, die Wahrheit! Manchmal kommt sie auch als Gerücht daher: Möglich, dass der Kaufmann das Bild überhaupt nie in Auftrag gegeben hatte! Es gibt sogar Leute die behaupten, das Portrait stelle nicht die Kaufmannsgattin dar, sondern die Geliebte von Giuliano de Medici, dem Bruder von Papst Leo dem Zehnten. Und hat sich der Zweifel erst einmal eingenistet, beginnt er sich auch gleich auszubreiten und weiteren Spekulationen Platz zu bieten: Eine Kurtisane aus Neapel, sagen andere gar, sei für das Bild Modell gestanden. Auch als Selbstportrait wird es bezeichnet, nur weil es dem berühmten Leonardo-Portrait mit dem wallenden Bart so ähnlich sieht. Dieses aber stammt, wie man seit bald dreissig Jahren weiss, nicht von Leonardo, ja nicht einmal aus dessen Zeit, sondern ist eine Fälschung von Giuseppe Domenico Bossi aus dem Jahre 1810, der sich als Vorlage die Gesichtszüge der Mona Lisa nahm. So beisst der Hund sich selbst in den Schwanz. Fehlt nur noch die jeden Rahmen der Glaubwürdigkeit sprengende Behauptung, auch die Mona Lisa sei gar nicht von Leonardo gemalt, trägt sie doch weder Datum noch Signatur.

Dieser Gärtopf an Spekulationen war Propaganda genug, die Mona Lisa zum berühmtesten Gemälde der Welt zu machen, und so passt es auch ganz zu diesen Status, dass der Ursprung in Dunkel gehüllt und der Anfang Legende ist. Und selbst heute noch spielen sich geheimnisvolle Ränke und sogar handfest kriminelle Ereignisse um die Gioconda ab, so dass man nicht weiss, ist soviel Berühmtheit mehr Segen oder mehr Fluch?

Jahrzehnte nach der Vollendung des Portraits brachte Leonardo die Mona Lisa eigenhändig an Frankreichs Königshof zu Franz dem Ersten, von dem man sagt, er habe beim Tode Leonardos Tränen geweint. Auch dann noch, als es in Frankreich längst keine Könige mehr gab, blieb die Mona Lisa in französischem Exil, oder - wie mancher Italiener hinter vorgehaltener Hand eher sagen würde: in französischer Gefangenschaft. Doch dann, im August 1911, gelang der überraschende Coup: Vincenco Peruggia, ein junger italienischer Arbeiter in Paris entführte die Mona Lisa aus dem Louvre. Zwei Jahre später, kurz vor Weihnachten, tauchte sie in Florenz wieder auf. Das Gemälde war arg beschädigt die Gioconda hatte traumatische Erlebnisse erlitten. Die Freude über die Heimkehr der Gioconda nach Italien war dennoch sehr gross, wenn auch nur kurz, denn schon bald wurde die Mona Lisa wieder in den Louvre gebracht.

Wo Freude herrscht, sind auch die Miesmacher nicht weit. Sie stellten die ultimative Frage, ob die nach zwei Jahren verschollene Mona Lisa auch tatsächlich die Echte sei. Stand früher die Identität der portraitierten Schönen zur Diskussion, so jetzt die Authentizität des Gemäldes selbst. Eigentlich gab es keinen Grund, diese in Zweifel zu ziehen, doch allein schon die Frage, die - anfänglich vielleicht bloss harmlos und naiv gestellt - plötzlich so schroff im Raum stand, schaffte diesen kleinen Prozentsatz an Ungewissheit, der nie wieder ganz ausgeräumt werden konnte. Wer hätte damals schon mit einem Raub des Originals aus dem Louvre gerechnet! Technische Details zum Gemälde waren kaum dokumentiert worden, und die bedauernswerten Beschädigungen erschwerten das Überprüfen umso mehr. Doch alles erwies sich nur als Sturm im Wasserglas: das Bild wurde offiziell als echt befunden, und die noch verbleibende Kritik verstummte. Erst im Jahre 1943 loderten mit einer Feuersbrunst in einem Restauratoren Atelier in Fiesole die Zweifel nochmals auf.

...Fortsetzung in Ihrer Buchhandlung.