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"Mönle" -
der Manns ungeliebte Tochter


Monika Mann (* 7. Juni 1910 in München; † 17. März 1992 in Leverkusen), deutsche Schriftstellerin.
Monika Mann ist die Tochter von Katia und Thomas Mann. Sie gilt neben Golo und Michael als eines der ungeliebten Kinder der Familie Mann. Thomas Mann bekannte in seinem Tagebuch freimütig, dass er „von den Sechsen drei, die beiden Ältesten (Klaus und Erika) und Elisabethchen, mit seltsamer Entschiedenheit bevorzuge.“Und ihre Mutter schrieb 1939 über Monika an ihren Sohn Klaus: „Ich bin fest entschlossen, in meinem Leben kein unfreundliches Wort mehr über sie zu sagen, und mich nett und hilfreich zu verhalten." In den Aufzeichnungen und Briefen ihrer Familie wurde sie oft als seltsam und wunderlich beschrieben: „... sie ist nach dreiwöchigen Aufenthalt hier (im Elternhaus), doch ganz das alte, dumpf-wunderliche Mönle, völlig unbeschäftigt, die Speisekammer bemausend" Innerhalb der Familie wurde Monika Mann „Mönle“ genannt.

biografische Quelle: Wikipedia

Text des nebenstehenden Briefes von Monika Mann:

Lieber (...)

Ich nehme an, dass (...) Ihnen mein "Wir haben kein Alter" nicht wortlos übergeben hat, sondern dass er Ihnen - da er es vorher gelesen hatte - irgend ein Kommentar ins Ohr raunte. Dies mag negativ gewesen sein - wie etwa: "ihre kleinen Sachen sind mir lieber". Oder: "Sie ist diesem Stoff nicht gewachsen"; oder: "Es ist wie ein hübscher Schuh, der drückt" ...und gleichviel, was er raunte, ich verst. sehr wohl, dass dieses Werklein kein ideales ist. Es bleibt aber die Frage zu lösen, lohnt es sich, die Mängel zu übersehen, hat es genügend Qualität, diese Mängel mit in Kauf zu nehmen. Während ich das Buch schrieb, war ich wohl begeistert genug, es ein wenig blind - da es mir nah war - zu bejahen. Jetzt, da Monate verstrichen sind, frage ich mich ernstlich, ob es "gesellschaftsfähig" ist. Ein wenig ist es wie ein Geschöpf, das ein seltsames Kleid trägt und seltsame Dinge sagt, die Leute ein wenig verlegen macht. Einige mögen ihr Gerede faszinierend empfinden. Mir scheint, ohne Frage strahlt jenes Wesen eine Kraft aus, die nicht recht durchorganisiert ist, aber doch vom Alltäglichen, Banausischen nicht nur abweicht, sondern geradezu seine Antithese ist. - Jeder Mensch, oder jeder Künstler beurteilt sich im Grunde besser, als jeder Freund oder Fremde, Laie oder Kritiker ihn beurteilen kann. Dieses Buch ist weder eine grosse Gestaltung, noch eine aufgebaute, ordentliche Erzählung, noch hat es eine rechte Form oder rechten Inhalt. Dennoch ist es reich und (?). Ein wenig jenseits der Sphären rollen sich Gedanken und Bilder ab, die uns angehen, da sie von heute sind und echt sind. Eine gewisse jenseitige Aktualität ist dem Werklein eigen, die verstimmend und
faszinierend wirken kann.

Herzlich Monika Mann





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Brief von Monika Mann, datiert Bolzano, 18. August 1954 (Erstveröffentlichung) betreffen einnem Manuskript "Wir haben kein Alter"
(Beachte Text auch in nebenstehender Spalte)

Die Ausstellung „Familie Mann in Kilchberg erinnert an jene vierzig Jahre (1954-1994), die Thomas Mann und seine Angehörigen in der Gemeinde verbracht haben.

Die Ausstellung befindet sich im Conrad Ferdinand Meyer-Haus in Kilchberg bei Zürich. Der Dichter Conrad Ferdinand Meyer hat das alte Rebbauerngut, erbaut 1785, im Jahr 1877 erworben und bis zu seinem Tod 1898 bewohnt. Sein Arbeitszimmer, wo so bedeutende Novellen wie „Der Schuss von der Kanzel“ oder „Die Versuchung des Pescara“ entstanden sind, ist samt Originalmobiliar und Bibliothek erhalten. Das Museum beherbergt auch Ausstellungen zur Orts- und Kirchengeschichte sowie Abteilungen über die Zürichsee-Fischerei und den Rebbau. Auch eine repräsentative Sammlung Zürcher Keramik des 18. Jahrhunderts aus der Zürcher Porzellanmanufaktur im Schooren (1763-1790), darunter einen Teil des berühmten Einsiedler-Service (1775/76).