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Nikolai Semjonowitsch Leskow

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Nikolai Semjonowitsch Leskow (1831- 1895), russischer Schriftsteller.
Leskow (mit Betonung auf der zweiten Silbe) wurde als Sohn eines Beamten, der erst kurz zuvor geadelt worden war, geboren. Seine Ausbildung erfolgte anfangs durch Privatlehrer, später besuchte er das Gymnasium von Orel, das er ohne Abschluss verließ. Nach dem finanziellen Ruin der Familie begann er 1847 als Kanzleibeamter beim Kriminalgericht von Orel zu arbeiten. 1850 ging er nach Kiew, wo er als Sekretär für die Rekrutierungsbehörde der Armee arbeitete. In Kiew förderte ein Onkel, der Professor für Medizin war, Leskows weitere Ausbildung.
1853 heiratete Leskow Olga Smirnowa. Aus der Ehe gingen zwei Kinder, ein Sohn und eine Tochter hervor. Ab 1857 arbeitete er für ein englisches Handelsunternehmen, in dessen Auftrag er viel reisen musste, wobei er weite Teile Russlands kennenlernte. 1860 kündigte er seine Stellung, verließ seine Frau und ließ sich in Petersburg als Journalist nieder. In dieser Zeit begann er auch zu schreiben und erste Erzählungen erschienen in Zeitschriften. Zwischen 1862 und 1863 bereiste er Osteuropa und Frankreich. Ab 1865 lebte er mit Katerina Bubnowa zusammen; der gemeinsame Sohn, Andrei Leskow, schrieb später die erste Biografie des Autors.
1874 nahm Leskow eine Anstellung im Kultusministerium an. 1883 wurde er dort entlassen, nachdem er sich kritisch über Kirche und Staat geäußert hatte. Auch mit seinen literarischen Arbeiten kam er in den Folgejahren immer häufiger in Konflikt mit der staatlichen Zensur. Leskow starb 1895 an den Folgen einer Krebserkrankung und wurde auf dem Petersburger Wolkowo-Friedhof beigesetzt.

Seine Erzählungen und Romane sind einerseits realistisch und oft volkstümlich, haben jedoch auch einen starken symbolistischen Einschlag, was sich gerade dadurch zeigt, dass Leskow traditionelle religiöse Erzählformen wie die Legende aufgriff und auch sonst gerne mystische oder märchenhafte Elemente in seine Stoffe verwob. Leskows Werk, das schwer zu übersetzen ist (besonders gelungen sind die Übersetzungen von Johannes von Guenther), zeichnet sich durch Umgangssprache und Dialektfärbung aus, wodurch es ihm gelang, zum einen die russische Literatursprache zu erweitern und gleichzeitig neue Aspekte des Alltagslebens gerade der einfachen Menschen einzufangen.

(biographische Quelle: Wikipedia)






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"Ich kann doch nicht meine eigenen Verwandten essen." Der Vegetarismus des russischen Dichters Nikolai Leskow.

Der 1831 im Herzen Russlands geborene Schriftsteller Nikolai Semjonowitsch Leskow ist stark verbunden mit dem Aufkommen des Vegetarismus in Russland. 1889 veröffentlichte er einen Zeitungsartikel zu diesem Thema, drei Jahre später, 1892, findet sich von ihm in derselben Zeitung ein Aufruf über die Notwendigkeit, ein ausführliches Kochbuch für Vegetarier in russischer Sprache herauszugeben. (Quelle: Peter Brang, "Ein unbekantnes Russland", Böhlau-Verlag, 2002). Obwohl Lesskow darauf von vielen Seiten verspottet wurde, verteidigte er den Vegetarismus unter anderem mit dem Hinweis, dass viele berühmte und bekannte Persönlichkeiten aus älterer und neuerer Zeit auf den Fleischverzehr verzichtet hätten.

Leskows Vegetarismus wird oft auf seine Begegnung mit Tolstoj am 28. April 1887, zurückgeführt. Tatsächlich aber scheint bereits Leskows Mutter eine überzeugte Vegetarierin gewesen zu sein, wie in der autobiographische gefärbten Erzählung "Figura" (1889) nachgelesen werden kann:


Ich habe eine wunderbare Mutter gehabt - herzensgut, lauter und von grenzenloser Liebe erfüllt und umwoben, dabei so weichherzig, dass sie niemanden betrüben konnten, keinen Menschen und auch kein Tier. Sie ass sogar kein Fleisch aus Mitleid mit den Lebewesen. Gelegentlich versuchte der Vater sie zu überreden: "Aber hör doch!" pflegte er zu sagen, "denk nur mal darüber nach, wie sich die Tiere dann vermehren würden. Es gäbe ja gar keinen Platz für uns!" Doch sie antwortete darauf bloss: "Nun, das mag wohl für spätere Zeiten einmal zutreffen, diese Tierchen da habe ich aber selber aufgezogen, sie sind mir wie Verwandte. Ich kann doch nicht meine eigenen Verwandten essen." Indessen ass sie auch bei unsern Nachbarn kein Fleisch. "Die habe ich am Leben gesehen", meinte sie, "sie sind mir wie alte Bekannte, und meine Bekannten kann ich wirklich nicht essen." Schliesslich konnte sie aber auch das Fleisch von Tieren, die sie nicht gekannt hatte, nicht essen, und wehrte sich dagegen: "Das kommt alles aufs selbe heraus - , auch sie hat man ermordet!" Sogar der Geistliche versuchte ihr klar zu machen, dass "Gott es selbst so eigerichtet" habe und zeigte ihr im Kirchenbuch das Gebet zur Weihe des Fleisches. Sie liess sich aber durch nichts belehren. "Schön, wenn es hier so steht", meinte sie, "dann essen Sie nur ruhig Fleisch!" Darauf sagte der Geistliche zum Vater: "Das ist bestimmt alles das Werk gewisser Weiber, die von Haus zu Haus schleichen und die Frauen verführen; sie belehren immer andere, selbst aber kommen sie niemals zu Verstand." Allein die Mutter gab dem Vater zur Antwort "Das ist alles Unsinn, ich weiss von keinen umherschleichenden Weibern; mich ekelt es ganz einfach, wenn ein Geschöpf das andere auffrisst."