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Simon Kronberg - ein (fast) vergessener Meister des Expressionismus.

(geb. 1891 in Wien, gest. 1947 in Haifa, Israel). Oesterreich-jüdischer Schriftsteller.

Ueber das bewegte, ruhelose Leben des Dichters gibt Wikipedia folgende Informationen:
Simon Kronberg entstammte einer jüdischen Familie. Er wuchs auf in Wien. Nach dem Besuch der Volksschule und der Realschule begann er 1912 als Lehramtskandidat für Realschulen Vorlesungen an der Philosophischen Fakultät der Universität Wien zu hören. Er brach dieses Studium 1913 ab und besuchte stattdessen die von Emile Jaques-Dalcroze geleitete Bildungsanstalt für Musik und Rhythmus in Hellerau bei Dresden. 1914 wechselte Kronberg, der bereits 1912 wegen allgemeiner Schwäche und wegen eines Lungenschadens für wehruntauglich erklärt worden war, zur Hochschule für Bühnenkunst des Düsseldorfer Schauspielhauses; ab Dezember 1914 absolvierte er eine Ausbildung zum Phonetiklehrer. Im Jahre 1915 war er als Lehrer für Phonetik und rhythmische Gymnastik an Schulen in Bonn tätig. Kronberg ging dann nach Berlin, wo er von 1917 bis 1920 Angestellter des Magistrats war. Gleichzeitig begann er mit der Veröffentlichung literarischer Texte, die u.a. in Franz Pfemferts "Aktion" erschienen.
Anfang der 1920er Jahre gehörte Kronberg zum Kreis um Wolf Przygode und dessen Zeitschrift "Die Dichtung". Neben diversen Tätigkeiten (u.a. im Lohnbüro einer Schuhfabrik und als Versicherungsdirektor) nahm er Gesangsstunden und besuchte ab 1926 die Berliner Hochschule für Musik als Chorschüler. Nachdem er bereits seit 1921 in der zionistischen Bewegung, insbesondere im Jung-Jüdischen Wanderbund, aktiv war, nahm Kronberg nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten im Deutschen Reich 1933 an Vorbereitungskursen für die Übersiedlung nach Palästina teil. 1934 emigrierte er als Jugendführer mit einer Gruppe von Jugendlichen, die sich aus Mitgliedern des Bundes Habonim Nora Chaluzi zusammensetzte, über Triest nach Palästina.
Kronberg lebte zunächst als Schuhmacher in einem Kibbuz, daneben wirkte er in der Chorarbeit mit Erwachsenen und schrieb weiterhin literarische Texte. 1937 übersiedelte er nach Haifa. Er lebte nunmehr als freier Künstler und Organisator von Chorgesangs-Veranstaltungen sowie Gemeinschaftsfeiern in deutscher und hebräischer Sprache für neu eingewanderte deutschsprachige Juden.
Simon Kronberg war Verfasser eines umfangreichen, stark vom Zionismus beeinflussten literarischen Werkes, bestehend aus erzählerischen Arbeiten, Gedichten und Theaterstücken; es wurde zum größten Teil erstmals in einer Gesamtausgabe in den 1990er Jahren veröffentlicht.


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Seltsam ist die Hilfe aus dem eigenen Gedanken...


"Jemand redet in einer fremden Sprache und entfernt sich. Auf einem gleichgültigen Weg gehe ich, ein Alleingelassener, und bewege meine Lippen: Hat man denn nicht meinen Namen verstanden? Die Bäume, die mit vielen Augen auf einen Menschen sehen, erzählen vielgestaltig von dessen Schatten, dass er keine Ruhe habe, dass er kein Mass besitze, dass er nicht langsam sei. Da ich dies Gespräch vernehme, werde ich leise und lächelnd. Da bin ich angekommen wie in eine Kinderheiterkeit. Keiner hat mir geholfen und ich lächle. Seltsam ist die Hilfe aus dem eigenen Gedanken und erfreuend wie nichts auf dieser Welt."

Aus "Hier bin ich" von Simon Kronberg. Der Text stammt aus dem Nachlass des Dichters und war zwischen 1917 und 1920 entstanden. Veröffentlicht wurde er in "Ego und Eros", Meistererzählungen des Expressionismus, Herausgegeben von Karl Otten, Goverts Verlag, Stuttgart 1963)


Illustration von Peter Meier-Classen zu Simon Kronberg "Hier bin ich"
Illustration: Meier-Classen