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Moriskentänzer München
Der Moriskentanz (ital. Moresca, aus span. morisca) ist ein Tanz des Mittelalters und stammt ursprünglich aus Nordafrika. Dabei leitet sich das Wort Moriske von „maurisch“ ab. Morisken, auch Moriscos genannt (spanisch: morisco „maurisch“) sind Mauren, die nach dem Sieg der Reconquista in Spanien lebten.

Dieser zu seiner Zeit sehr beliebte Tanz kennzeichnet sich durch verschiedene charakteristische Sprünge und Körperverdrehungen. Ihn zu tanzen erfordert eine gewisse akrobatische Meisterschaft, weshalb früher auch Gaukler und Schausteller darauf spezialisiert waren. Das Hüpfen und Springen der Narren und Akrobaten in Filmen über das Mittelalter basiert wohl auf Vorstellungen über diesen Tanz. Das wilde, orientalische Springen wird manchmal auch so interpretiert, dass der Ursprung des Moriskentanzes ein Schwerttanz gewesen sei.

Der Moriskentanz benötigte anscheinend eine Reihe von Charakterdarstellern, es gab vermutlich mehrere Rollen. Insgesamt 16 Figuren sollten das ganze mittelalterliche Bevölkerungsspektrum darstellen. Die Zuordnung zu den einzelnen Charakteren erfolgt heutzutage aufgrund mangelnder Dokumente eher willkürlich. So unterscheidet man zum Beispiel: „Bauer“, „Dame“, „zur Hochzeit bereiter Jüngling“, und so weiter.

Die Beliebtheit des Moriskentanzes zeigt sich in den holzgeschnitzten Moriskentänzern des Bildhauers Erasmus Grasser aus München. Die über 500 Jahre alten Holzfiguren zeigen die einzelnen Teilnehmer an einem Moriskentanz. Inspiration für diese Figurentruppe war ein Festbankett des Herzogs Christoph des Starken.

(Wikipedia)
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Panzertür, Kristallnacht und Moriskentänzer
Tanzsaal Altes Rathaus München
Der Gegensatz könnte nicht grösser sein: die schwebende, heitere Leichtigkeit des Moriskentänzers mit seinem zarten Schattenspiel auf weisser Wand - daneben die abweisend mächtige Pforte mit gusseisernem Gitter und stählener Panzerschranktür. Zwar stand der eine Flügel offen, doch wurde meinem Eintreten von einem dunklen Anzug mit Krawatte unwiderruflich Einhalt geboten. So blieb mir nichts anderes übrig, als den Tanzsaal im Alten Münchner Rathaus unbesucht zu lassen und nur von aussen dem unendlich traurigen Geschehen zu gedenken, die hinter dieser Tür in der Nacht vom neunten auf den zehnten Novemberr 1938 ihren Anfang genommen hatten, mit dem Aufruf der nationalsozialistischen Führung zur Vernichtung der Juden und des Judentums in ganz Deutschland.

Gedenktafel Kristallnacht München

Gedenktafel beim Tanzsaal des Alten Rathauses in München.


Der Gegensatz könnte nicht grösser sein: der Kristall, strahlendes Sinnbild von Klarheit und natürlicher Gesetzmässigkeit als Name für jene Nacht dumpfer Gewalt, Brandschatzung und Mord: die Reichskristallnacht 1938.