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Puy - Beginn des Jakobwegs "Hier beginnt die Via Podiensis..."
Diese Tafel in der französischen Stadt Le Puy-en-Velay in der Haute-Loire bezeichnet den Beginn einer der vier grossen Pilgerwege durch Frankreich, über die Pyrenäen nach Santiago de Compostela an der spanischen Atlantikküste.

Der Apostel Jakob in Puy Der Apostel Jakob der Ältere aus einem Fresko an der Kathedrale von Le Puy-en-Velay



Vom Jakobsweg abgekommen: der Panzerknacker von Santiago de Compostela.

Jakobsbuch - Codex Calixtus

"Der "Kodex Calixtinus", eines der wertvollsten Bücher des spanischen Kulturerbes, ist gestohlen worden. Der älteste bekannte Reiseführer für den Jakobsweg ist seit Dienstag aus einer gepanzerten Archivkammer der Kathedrale von Santiago de Compostela verschwunden." Dies meldete die Neue Zürcher Zeitung am 7. Juli 2011. Das Buch sei so unschätzbar wertvoll, dass es nicht einmal versichert gewesen sei, meldete die Süddeutsche Zeitung. Entsprechend hoch waren die Sicherheitsvorkehrungen: Das Original des "Liber Sancti Jacobi", wie der Codex auf Lateinisch genannt wird, ruhte vermeintlich sicher in einem Panzerschrank.

Ein Jahr später, fast auf den Tag genau, am 4. Juli 2012, wird das 225 Pergament-Seiten umfassende Juwelstück des spanischen Kulturerbes als wieder gefunden gemeldet: Beamte entdeckten es unversehrt in einer Garage im Milladoiro im Nordwesten Spaniens.

Wer konnte als Panzerknacker in Frage kommen? Der gestohlene Codex selber warnt in seinem Text die Pilger vor diebischem Gesindel, den "cinnatores". Ausführlich werden die Tricks beschrieben, mit denen vertrauensvolle Pilger beraubt werden. Gewarnt wird auch vor diebischen Wirten am Weg und den Bettlern, die, mit Hasenblut oder Asche von Pappelrinde beschmiert, dem Wanderer Almosen entlocken wollen.

Der gestohlene Codex Calixtinus wurde allerdings weder eine Beute eines Pilgers noch eines Wegelagerers. Wer anderer, so hatte sich vermutlich die spanische Polizei gefragt, konnte als Panzerknacker in Frage kommen, wenn nicht jemand, der mit den Sicherheitsvorkehrungen bestens Bescheid wusste? Und so war es denn auch. Die Garage, in der nebst dem Codex auch weitere Diebesbeute und über eine Million Euro Bargeld gefunden wurde, gehört einem Handwerker, der die elektrischen Anlagen der Kathedrale von Santiago de Compostela gewartet hatte. Der Elektriker war im Rahmen eines Personalabbaus im Jahr zuvor entlassen worden. Sein Versuch, sich für diese Kränkung zu rächen war glücklicherweise gescheitert.

Nun glaube aber nicht, lieber Pilger, dass du jetzt in Santiago de Compostela wieder das Orginal des Codexes bewundern könnest. Das war auch vorher nicht der Fall. Zu sehen gibt es dort nämlich nur eine Kopie. Um das Original betrachten zu können, müsstest du zum Beispiel als hoher Kirchenfürst nach Santiago de Compostela kommen, oder - wie die Geschichte zeigt - dich als Elektriker für das Kirchenschiff anheuern lassen…