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Aus bisher unveröffentlichten Briefen von Hermann Hesse,
1946


Im Jahr 47 ist mein 70. Geburtstag. Eventuell plane ich dafür ein Büchlein, das etwa ein halb Jahr vorher erscheinen müsste und die paar besten Arbeiten bringen würde, die in den letzten Jahren über mich erschienen sind.

Die Umarbeitung des Essays über Wilh. Meister, die ich gewünscht hätte, gelingt mir nicht mehr; es ist zu lange her seit der ersten Niederschrift, etwa 35 Jahre.

Wenn der Verleger nicht nur Herstellung und Vertrieb, sondern auch das Literarische überall besser verstehen will als der Autor, dann führt das nicht zu guten Resultaten.

Dass Sie ernstlich krank waren, habe ich mit großem Bedauern erfahren, und wünsche Ihnen recht sehr, Sie möchten sich davon vollends ganz und rasch erholen. Bei mir sieht es auch nicht hübsch aus. Der Frühling ist kein Freund der alten Leute, er rüttelt an ihnen wie der Föhn an morschen Bäumen, und probiert, ob sie es noch aushalten.

Das Büchlein ist recht hübsch ausgefallen, das freut mich. Leid tut mir nur, dass ich es allen meinen Freunden in Deutschland, darunter dem Mann dem es gewidmet ist, vorläufig nicht senden kann.








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