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Werner Helwig (* 14. Januar 1905 in Berlin-Friedenau; † 4. Februar 1985 in Thônex bei Genf), deutscher Schriftsteller.

Werner Helwig war das einzige Kind hamburgischer Eltern. Sein Vater, Willy Helwig (1879–1957), verheiratet mit Jakobine Helwig, geb. Wiencken (1879-1968), war als Kunstmaler, Grafiker, Illustrator und Lehrer an einer Kunstschule in Berlin tätig. Der junge, künstlerisch und musisch begabte Helwig entwickelte schon früh eine ungewöhnliche Leselust, die sein ganzes Leben bestimmte. Seine Schullaufbahn jedoch (1912 Vorschulklasse des Realgymnasiums Berlin-Friedenau, 1916 Gemeindeschule VII in Berlin-Wilmersdorf, 1918 Städtische Volksschule Berlin-Wilmersdorf) endete infolge von Kriegssituation und gespannten häuslichen Verhältnissen, die 1917 zur Scheidung der Eltern führten, ohne Abschluss. Mit Scheidung der Eltern wurde der 12-Jährige dem Sorgerecht des Vaters unterstellt, von diesem 1919 in die Erziehungsanstalt Rauhes Haus in Hamburg gegeben und anschließend in eine landwirtschaftliche Lehre auf einem mecklenburgischen Gutsbetrieb. Kurzzeitig war Helwig als Gärtnergehilfe und Arbeiter in einem keramischen Betrieb tätig. 1922 ging er, ohne Abschluss einer beruflichen Ausbildung, nach Hamburg und eignete sich als Autodidakt, auch als Schwarzhörer von Vorlesungen, Kenntnisse in Sprachen, Literatur, Kunst, Musik und Ethnologie an.

1923 wurde er wegen Teilnahme an einer kommunistischen Friedensdemonstration inhaftiert. Nach der Haftentlassung erfuhr er Hilfe in Kreisen des Wandervogels bei Walter Hösterey (genannt Walter Hammer), dem Herausgeber der Zeitschriften Wandervogel und Junge Menschen, in denen erste Gedichte von Helwig erschienen.

1939, kurz vor Kriegsausbruch, war Helwig in der Schweiz in Zürich, dem Zufluchtsort vieler Emigranten. Dort begegnete er 1940 James Joyce, aber auch der Welsch-Schweizerin Yvonne Germaine Diem, die er 1941 heiratete und mit der er zwei Söhne hatte. 1942 musste er wegen Verstoßes gegen das seit Kriegsbeginn für Ausländer bestehende Publikationsverbot die Schweiz verlassen, lebte bis 1949 mit seiner Familie in kärglichen Verhältnissen im Exil im Fürstentum Liechtenstein und ab 1950, nach Rückkehrerlaubnis in die Schweiz, in Genf.

Helwig machte sich als freier Mitarbeiter zahlreicher deutscher und schweizerischer Zeitungen und Zeitschriften als Essayist, Kritiker und Rezensent einen Namen. Obwohl gewähltes Mitglied des Deutschen PEN-Zentrums der Bundesrepublik, des Verbandes der Deutschen Schriftsteller sowie korrespondierendes Mitglied der Mainzer Akademie der Wissenschaften und trotz mehrfacher Ehrungen kehrte er auf Dauer nicht nach Deutschland zurück, sondern blieb in der Schweiz. Von Genf aus unternahm er in späteren Jahren Familienreisen unter anderem nach Südamerika, Japan und Indien, bis 1978 nach 38-jähriger Ehe seine Frau Yvonne starb. 1981 heiratete er ein zweites Mal: Gerda Heimes. 80-jährig starb er am 4. Februar 1985 in Thônex bei Genf und wurde auf eigenen Wunsch in der Heimat seiner zweiten Frau begraben, auf dem Wormbacher Friedhof in Schmallenberg/Sauerland.

(Biographische Notizen aus Wikipedia)


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Werner Helwig



 

Lästern über die Lästrogonen.
Oder: die Coolen von Capri...

Aus "Capri", Lieblicher Unfug der Götter, von Werner Helwig. Diederichs Verlag 1959:

Capribesucher "zerfallen" in drei Sorten. Man unterscheidet Lotophagen, Lästrygonen und Fotomanen. Alle dei ragen mit Teilen ihrer Beschaffenheit in das Wesen des Autors hinein. Er vertritt sie sozusagen, kann somit also nicht der gehässigen Nachrede bezichtigt werden, da es ihn selbst betrifft.

Die Worte Lotophagen und Lästrygonen entnahm er der Odyssee. Sie bedeuten a) Lotosfresser, also Vegetarier, b) jene Riesenmenschen, mit denen Odysseus zu Kämpfen hatte. Ich gebrauche die Worteim Sinne einer fonetischen Ethymologie. Also nicht ihrer wirklichen Bedeutung nach. Lästrygonen sind infolgedessen - unschwer zu erraten - jene Besucher der Sireneninsel, die sich des strafenden Kritisierens nicht genug tun können. Sie nadeln die Sehenswürdigkeiten wie eine Insektensammlung auf, klassifizieren sie und ordnen sie in die Sammelkästen fester Begriffe ein. Dort werden sie dann bei Gelegenheit hervorgeholt und sozusagen korrekturfrei herumgeboten. Sie sind ein für alle mal abgestempelt. Irrtümer werden nicht zugegeben. der Lästrygone ist eine typische Charakterscheuche. Und sein Beruf beseht darin, niemals Erstaunen zu bezeigen. (...) Sein Stolz verlangt, sich prinzipiell gelangweilt zu zeigen. Und das tut er mit schöner Ausführlichkeit.