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Krimi-
Debüt

Martin Geisenhainer:
Und beschere uns den Erfolg


Wirtschaftskrimi

© 2008, KaMeRu Verlag
ISBN 978-3-906739-32-8
www.geisenhainer.ch
Eine tote Geliebte, Erpressung, die Drohung, seine Unternehmensgruppe könnte durch die Konkurrenz übernommen werden – Grossbach steht das Wasser bis zum Hals.
In seiner Verzweiflung wendet er sich an seinen vertrauenswürdigen Geschäftspartner Wahlmann, der sich von ihm den Zuschlag für ein Grossprojekt erhofft. Wahlmann lässt sich überreden, denn von Grossbachs Schicksal hängt auch seine Existenz ab
Auf eine unprofessionelle und dennoch effiziente Weise gehen sie den Fall an. Dabei vernachlässigen sie Familie und Firma und müssen bald feststellen, dass ihre Gegner ihnen immer einen Schritt voraus sind. Doch dann scheint sich eine Lösung anzubahnen.
..

Der Autor, Martin Geisenhainer, lebt mit seiner Frau und drei Töchtern im Kanton Aargau.





Kürzestweihnachtskrimi
von Martin Geisenhainer


Leise knirschend tönten die Schritte durch die nächtliche Stille, näherten sich zielstrebig ihrem Ziel. Da war kein Zögern oder Zaudern festzustellen, der Kerl wusste, was er wollte. Aebersold kauerte im Schatten, hielt routiniert das Tempo seiner Atmung unter Kontrolle und versuchte die Kälte zu ignorieren, die ihm unterdessen in die Knochen kroch. Beides fiel ihm schwer, wähnte er sich doch endlich am Ziel seiner seit vielen Jahren mit Beharrlichkeit geführten Ermittlungen. Wie lange schon war er an diesem komplizierten Fall dran. Jedes Jahr um diese kalte Zeit trieb sich dieser Bursche da draussen herum.
Kollegen, Vorgesetzte, ja manchmal er selber hatten schon längst nicht mehr an eine Lösung in der Angelegenheit geglaubt. Doch heute sollte es endlich soweit sein, heute würde er den Kerl auf frischer Tat ertappen, heute würde er endlich allen beweisen, dass er all die Jahre recht gehabt hatte. Heute.

Lautlos liess er kleine Atemwölkchen entweichen, schob den Sicherungshebel seiner Schusswaffe zurück und riskierte einen Blick um die Ecke, hinter der die Schritte verklungen waren. Da! Der Verbrecher hatte sich bereits daran gemacht, die Fassade einer vornehm wirkenden Villa zu erklimmen. Diese Dreistigkeit liess Aebersold für einen Moment um Fassung ringen. Doch schnell hatte er sich wieder im Griff. Jetzt galt es beherzt und ohne Zögern zuzuschlagen. Fast unhörbar folgte er dem anderen die überraschend einfach zu besteigende Hauswand hinauf. Die letzten, wenigen Schritte auf dem leicht abschüssigen Dach nahm er im Sturm, während der Täter sich bereits am Schornstein zu schaffen machte.

“Halt! Polizei!”, obgleich ausser Atem, brachte er die Worte bestimmt und mit der natürlichen Autorität seiner Stimme hervor, “das Spiel ist aus!”
Der ganz in rotes Tuch gewandete Mann hielt in seiner Bewegung inne, liess den Gegenstand, ein viereckiges Kästchen, in lächerlich kitschiges Papier eingeschlagen und mit einem rosa Band beschleift, kraftlos fallen und wandte sich mit hängenden Schultern zu Aebersold um. Der gegen den Kamin gelehnte Sack sank langsam zur Seite und gab weitere Kästchen frei, die ein Stück das Dach herunterrutschten. Der Mann hob ihm die Hände entgegen, in Erwartung zuschnappender Handschellen. Aebersold konnte sich ein zufriedenes Grinsen nicht verkneifen. Die ungewohnte Anstrengung liess ihn leicht schwindeln. Aus den Augenwinkeln meinte er einen Schlitten mit vorgespannten Rentieren durch den nächtlichen Himmel gleiten zu sehen.

‘Ich bin wirklich urlaubsreif’, ging es ihm durch den Sinn, als er sich wieder auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren versuchte.

Die Augen des Kerls, die unter der Kapuze mit dem weissen Fellrand kaum zu erkennen waren, wirkten wie erloschen. Der weisse Bart, der den unteren Teil des Gesichtes fast zur Gänze verbarg, zitterte leicht, als der Mann leise vor sich hinstammelte, “ich bin froh, dass es endlich vorbei ist. All die Jahre … ”



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