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FERNEN
die Zürcher Literaturzeitschrift der jungen 68er Autoren

Nr. 6, Mai 1963

Nr. 9, August 1964
FERNEN war das literarische Sprachrohr der jungen Zürcher Autoren in den 60er Jahren. FERNEN erschien in der bescheidenen Auflage von 300 Exemplaren - vervielfältigte A4-Seiten, mit Bostiches zusammengehefte und mit einer Titelseite auf farbigem Papier. Im FERNEN schrieben junge Autoren und Autorinnen, die damals wenig bis gar nicht bekannt waren. Einige haben sich später literarisch oder anderswo einen Namen geschaffen, andere sind in den Fernen zurückgeblieben. Hier einige der Namen: Rainer Brambach, Ueli Bruckmann, Efraim Filips, Andreas Fischer, Urban Gwerder, Jörg Kaufmann, Richard Kohli, Paul Leverenz, Peter Meier-Classen, Brigitte Meng, Christine Steiger, Robert Treichler, Septus Trunzius, Peter K. Wehrli, Hansheinrich Ziegler und andere.


FERNEN
4 Titelblätter und 3 Gedichte
 


Nr. 10, Januar 1965

3 Gedichte aus FERNEN:

Lange bin ich in der Wüste gewesen.
Und nun
Hat sich die Sonne in mein Fleisch gebrannt
Meine Haut ist gegerbt
Und mein Haar vom Winde gebleicht.
Ausgedörrt bin ich zurückgekehrt
Mit Sand in den Poren.
Doch nun
Versteh ich die Leute der Städte nicht mehr
Die Sand nicht kennen noch Wind.
Durch ihre Strassen bin ich gegangen
Des Nachts: Kenn ihr die Freiheit nicht
Den ungetrübten Duft des Sommers?
Doch sie
Lachten an mir vorbei und gingen weiter.

Hansheinrich Ziegler
(c) Copyright by FERNEN, Zürich


Alleinstehende Männer
Einer sammelt Steine.
Einer erwirbt Briefmarken.
Ein dritter spielt Fernschach
und einer steht lauernd am Abend im Park.
Einer lernt Russisch.
Einer liest Shakespeare.
Einer schreibt Brief um Brief
und einer trinkt Rotwein am Abend,
sonst geschieht nichts.
Sie trinken, lesen, lauern, erwerben,
die alleinstehenden Männer am Abend.
Sie schreiben, lernen, spielen, sammeln,
ein jeder für sich nach Feierabend.
Einer besucht eine Operette.
Einer hört Bach.
Einer hütet ein Geheimnis.
Wie ein Hund an der Kette
läuft er Abend für Abend entlang den Alleen.

Rainer Brambach
(c) Copyright by FERNEN, Zürich


Trunken
Traumbenebelt und weinselig
taumle ich durch die Strassen.
Alle Strassen sind mein:
Strassen der Welt.
Mein sind die Sterne.
Dem Himmel nahm ich sie weg
und halte sie jetzt
in meiner geschlossenen Hand.
Himmel ist leer nun und fahl,
muss sich der Sterne entwöhnen,
ich lass keinen aus meiner Hand.
Alle Fäden des Schicksals liegen verwoben in mir,
unlösbar miteinander verknüpft.
Keinem gehört sein Geschick mehr allein,
aber mir gehören sie alle:
grosse und kleine,
dunkle und lichte,
erhabne und platte.
Ja mir! Wem anders?
Ich könnte die Sonne schwarz machen,
kohlrabenschwarz,
und den Mond giftgrün,
durch ein Wort,
eine Bewegung.
Vielleicht tu ich's später,
hab keine Zeit jetzt,
Darf nicht vergessen,
auf die Sterne zu achten:
Sterne in meiner Hand.
Traumvernebelt und weintrunken
weiss ich nicht, wo ich geh.

Brigitte Meng
(c) Copyright by FERNEN, Zürich



Nr. 11, Februar 1966

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