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Pouzilhac ist ein kleines Städtchen mit weniger als tausend Einwohnern. Es liegt zwischen den Städten Nîmes und Avignon.im Département Gard. Besiedelt war der Ort bereits in der Bronzezeit vor viereinhalb tausend Jahren. Viele Ueberreste aus jener Zeit, ebenso wie aus der Zeit der römischen Besiedlung sind vorhanden.






"Zuhanden der Unterwelt..."


"DIS MANIBUS…", den Göttern der Unterwelt geweiht, oder wörtlich übersetzt: "Zuhanden der Götter der Unterwelt!" Mit diesen Worten, oft auch nur abgekürzt mit "DM" beginnen viele Epitaphe auf altrömischen Grabsteinen. Die wörtliche Übersetzung "in die Hände der Götter gegeben" ist wertfreier als die übliche Übersetzung "den Göttern geweiht", denn das urgermanische Wort "weiha", das dem Wort "weihen" zugrunde liegt, bedeutet "heilig" und bringt somit eine unerwünscht numinose oder magische Komponente in den Text.

Diese Götter der Unterwelt hatten verschiedene Namen wie Pluto, Dis, Orcus oder Eubuleus. Und natürlich war da auchJupiters Tochter Prosperina, um deren Hand Pluto bei Jupiter angehalten hatte. Dieser aber meinte, seine Gemahlin Ceres würde ihre Tochter wohl niemals einem Schwiegersohn aus der Unterwelt anvertrauen, weshalb Pluto wohl nur mit einer Entführung zu seinem Ziel gelangen könne. Also entführte Pluto Prosperina in sein dunkles Reich und machte sie zu seiner Gattin. Der Raub der Prosperina wurde ein sehr beliebtes Sujet alter Grabmalerei und Grabplastik.

Der abgebildete Grabstein (Anfang 2. Jahrhundert vor Beginn unserer Zeitrechnung) befindet sich im südfranzösischen Pouzilhac. Er wurde 1837 bei der Erneuerung der Kirche unter dem Altar gefunden und in die Mauer der neuen Kirche eingefügt. Der Text lautet in der Uebersetzung: "Den Göttern der Unterwelt geweiht von Sextus Valerius Auctus, seinem Vater und Accepta, seiner Mutter. Sextus Valerius Perpetuus. Das Grabmahl wurde auf Grund des Testamentes erstellt."

Die letzte Zeile ist allerdings nicht mehr lesbar, doch entspricht sie einer üblichen abschliessenden Floskel von römischen Grabsprüchen: TESTAMENTO FIERI ISSUIT (wegen des Testamentes gemacht). Von diesen drei Wörtern sind nur noch das erste T von TESTAMENTO, das F von FIERI und der zweitletzte Buchstabe von ISSUIT erkenntlich. Oder aber die drei Worte wurden lediglich durch ihre Anfangsbuchstaben abgekürzt.

vorhandener,
zum Teil abgekürzter Text

DIIS MANIB
SEX VALERII
AUCTI PATR ET
ACCEPTARIA MATRIS
SEX VALERIUS
PERPETUUS FIL
T T I

ergänzter Text


DIIS MANIBUS
SEXTI VALERII
AUCTI PATRIS ET
ACCEPTAE MATRIS
SEXTUS VALERIUS
PERPETUUS FILIUS
TESTAMENTO FIERI IUSSIT

Sehr oft sind häufige Wendungen von Inschriften nur in Abkürzung geschrieben, was das Entziffern erschweren kann. Hier (aus Wikipedia) eine kurze Liste wichtiger Abkürzungen:

F= Filius Sohn/ Fecit, Fecerunt Er/sie ließ(en) anfertigen
L= Libertus Freigelassener (oder römischer Name Lucius)
DM= Dis Manibus den Göttern der Unterwelt (geweiht)
LEG [X]= Legionis [Decimae] der [zehnten] Legion
MIL= Miles Soldat
VET= Veteranus Veteran (pensionierter Soldat)
AN [XXXII semissis]= Annorum [Triginta duorum semissis] im ALter von [32,5] Jahren
STIP [XXV]= Stipendiorum [Viginta quinque] Nach [25] Kriegsjahren
IOM= Iovi Optimo Maximo dem besten und größten Jupiter
COS(S)= Consule (Consulibus) im Jahre des Konsulats des ... (und...)
KAL [IUL]= Kalendis [Iuliis] am 1. Juli
NON= Nonis An den Nonen (am 5./7.)
ID= Idibus An den Iden (am 13./15.)
H S E= Hic situs est Er liegt hier (begraben)
V S [L] L M= Votum solvit [laetus] libens merito er/sie löste das Gelübde [froh,] gern und nach Gebühr ein

Eine umfassende Sammlung von Abkürzungen der lateinischen Epigraphik gibt's auf dfer Website der Uni Graz über diesen Link.