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Alabert EhrismannUnterschrift Albert Ehrismann

Albert Ehrismann
Ehrismann, der Sohn des Magaziners Albert Ehrismann und der Weissnäherin Emma Suter, entstammte bescheidenen Verhältnissen. Er arbeitete zunächst als Buchhalter, begann aber dann um 1929, als er arbeitslos wurde, mit dem Schreiben. Der sozial engagierte Ehrismann verweigerte den Wehrdienst und wurde daraufhin 1932 zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. 1934 war er einer der Mitbegründer des Cabarets Cornichon. Nach dem Krieg schrieb Ehrismann jahrelang sehr erfolgreich für die Zeitschrift Nebelspalter, verdiente daneben sein Geld auch durch das Verfassen von Auftragsgedichten für die Werbebranche. 1978 erhielt er den Literaturpreis der Stadt Zürich.

(Biografische Quelle: Wikipeida)





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Aus einem bisher unveröffentlichten Typoskript:
"Das andere
Neujahrsgedicht 1998"

von Albert Ehrismann, 1908-1998:




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Albert Ehrismann  gezeichnet von Hanny Fries
Albert Ehrismann, Zeichnung von Hanny Fries

Ein Gedicht des vierziigjährigen Dichters, aus "Das Stundenglas", Fretz und Wasmuth Verlag AG, Zürich, 1948:
Das Glockenspiel

Vielleicht bin ich aus Erz gemacht
und glühend ausgebrannt.
Es ist ein Klöppel irgendwo
in eines Riesen Hand.

Der läutet laut und läutet leis
im grossen Glockenhaus.
Er läutet dich und mich zuletzt
wie einen Abend aus.

Noch hallt sein Läuten jetzt zur Nacht.
Man schläft darob nicht ein.
Muss jeder wohl, solang er lebt,
ein Teil des Läutens sein.


Aus einer Besprechung der "Weltwoche", 3. Dez. 1948 von Paul Rothenhäusler:

"Albert Ehrismann, der Zürcher Dichter, der jetzt und hier unter uns lebt, schreibt schlichte und einfache Gedichte, die wohl jeden Menschen irgendwie zu bewegen vermögen. Er ist ein moderner Dichter, der wie alte Sänger zu singen und zu reimen weiss. Wenn nun einer so naiv, so rein und sozusagen so simpel dichtet, melden sich zwei Gefühle.

Einmal das herzliche Frohlocken des Dilettanten. Er hat bei vielen neuen Gedichten schon resigniert, weil viel Sucht nach sogenannter sprachlicher Zucht da war und zuweilen gar zu Gewalttätigkeiten führte, die einem trotz errungener intellektueller Offenbarungen weh taten. Hier indessen klingt warme und weiche Melodie.

Das zweite Gefühl ist Reaktion des Besprechers, der ja nicht nur impressionistisch mit- und nachsummen will, sondern auch prüfend das Scheidewasser der Reflexion träufelt. Sind, so fragt er sich, diese Gedichte, die sich zunächst wie ferne, gestige Lieder anhören, nicht nur archaisches Spiel? Hat sich da einer aus dieser jetzigen Welt gestohlen, um nach alten Regeln geschickt alte, kaum noch schwingende Töne zu setzen?

Es sind rhetorische Fragen, wenn wir sie auf Ehrismann beziehen, denn bei ihm pocht das Weltgewissen ohne Unterlass, in ihm fragt und leidet die Zeit, wühlt das Tagesgeschehen und quält die Not, selbst wenn er nur meilenweite Zeitungskunde von ihr hat..."