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Karl der Grosse sein ein überaus liebe- und verantwortungsvoller Familienvater gewesen, schreibt sein Biograph Einhard (770-840). Ob's tatsächlich stimmt, bleibe dahingestellt, denn Einhard ging es bei der Lebensbeschreibung von Karl dem Grossen nicht zuletzt darum, dem Kaiser ein gutes Andenken zu setzen. Seine Töchter jedenfalls, so ist Einhards Text zu entnehmen, behütete der Kaiser und Vater wie eine Glucke ihre Kücken:

"Für die Erziehung seiner Kinder fasste er den folgenden Plan: sowohl die Knaben als auch die Mädchen sollten zunächst in den Wissenschaften unterrichtet werden, an denen er selbst interessiert war. 1) Sobald die Knaben alt genug waren, mussten sie nach fränkischem Brauch Reiten, Jagen und den Waffendienst erlernen. Die Mädchen mussten sich an Wollarbeit gewöhnen, und damit sie nicht durch Langeweile träge würden, fleissig weben und spinnen, und er ermutigte sie in allen tugendhaften Bestrebungen. (…) Er beaufsichtigte sorgfältig die Erziehung seiner Söhne und Töchter. Wenn er zu Hause war, ass er nie ohne sie und nahm sie stets auf Reisen mit. Die Söhne ritten dann an seiner Seite, während die Töchter nachfolgten und in der Nachhut von einem Teil seiner Leibwache geschützt wurden. Obwohl sie sehr schöne Mädchen waren und er sie über alles liebte, erlaubte er seltsamerweise keiner von ihnen zu heiraten, weder einen Mann aus dem eigenen noch aus einem fremden Volk. Er behielt sie vielmehr alle bis zu seinem Tode bei sich und behauptete, ohne ihre Gesellschaft nicht leben zu können.
"

1) Die 7 freien Künste: Grammatik, Dialektik, Rhetorik, Geometrie, Arithmetik, Musik und Astronomie.





Karl der Grosse und seine Töchter.




Karl der Grosse in der Krypta des Grossmünsters Zürich.