meier-classen.ch
zurück


Die Witwe von Cernier
Ballade zur Entstehung des Familiennamens VEUVE


Die Witwe von Cernier

Seltsam oft, wie Namen wurden
Kind und Kindeskinder eigen.
Wie der Name „Veuve“ entstanden
kann hier die Legende zeigen:

Zu dem Fest Sankt Barthélemy
in Paris in schwarzer Nacht
hat ein blinder Glaubenseifer
Tod in Haus und Hof gebracht.

Hugenotten zahllos sterben -
vom Massaker hart getroffen
Frauen auch und Kind und Greis
niemand konnt' auf Gnade hoffen

Tausende die Strassen füllen,
Hingemacht und totgeschunden,
und geschmäht als Calvinisten
hat der Tag sie aufgefunden.

Als Papst Gregor dies vernommen
liess er, feiernd das Gelingen,
Münzen prägen und die Popen
dankend ein Te Deum singen.

Doch geflohen sind auch manche,
sind entkommen mit viel Glück:
Eine Mutter mit den Kindern
nur ihr Gatte bleibt zurück.

Hugenottenführer ist er,
Kämpfen will er statt zu fliehen
bleibt zurück im Franzenland
lässt allein die Liebsten ziehen

Fliehend und mit knapper Habe,
Kinder weinend an der Hand
Schleppt die Mutter unermüdlich
ihren Tross ins Nachbarland.

Endlich winkt ein freier Boden,
bietet hier ein neues Heim.
Bangend um des Mannes Leben
Hält den Namen sie geheim.

Ohne Name muss sie bleiben
Muss ihn vor dem Staat verbergen,
denn nach ihres Gatten Spuren
spähen königliche Schergen.

Wenn die Nachbarn von ihr reden,
wird sie nur „la Veuve“ genannt,
bleibt als Witwe ohne Namen
von dem Büttel unerkannt.

Ohne Nachricht von dem Gatten,
als nach Jahren sie verstorben,
stand auf kleinem Kreuze „VEUVE“
…Name ist das Wort geworden



Bartholomäusnacht in Paris
Bartholomäusnacht in Paris 23./24. August 1572